«Seine Stimme wird uns fehlen»

1. April 2016

Zum Tod von Dr. Hans-Dietrich Genscher:

Begegnungen und Erinnerungen von Senator h. c. Peter Ver­ba­ta, M.A. rer. pol. (Univ.), gf Vor­stands­vor­sit­zen­der der Fördergesellschaft für Europäische Kommunikation (FEK) e.V. und Chefredakteur (Vors.) des Magazins «EUROjournal pro management».

Die Nachricht vom Tode des Trägers der Auszeichnung unserer gemeinnützigen FEK e. V., der Europamedaille Kaiser Karl IV., Dr. Hans-Dietrich Genschers hat mich tief getroffen. Er wird uns, Europa und im besonderen mir, sehr fehlen.

Hans-Dietrich Genscher, Bundesaußenminister a.D., erhält die Europamedaille Kaiser Karl IV. der Fördergesellschaft für Europäische Kommunikation (FEK) e.V. durch Senator h. c. Peter Verbata, M.A. rer. pol. (Univ.) überreicht

Hans-Dietrich Genscher, Bundesaußenminister a.D., erhält die Europamedaille Kaiser Karl IV. der Fördergesellschaft für Europäische Kommunikation (FEK) e.V. durch Senator h. c. Peter Verbata, M.A. rer. pol. (Univ.) überreicht

Hans-Dietrich Genscher inspiziert sein Konterfei in Sandstein

Hans-Dietrich Genscher inspiziert im Skulpturengarten sein Konterfei in Sandstein. Zur Seite stehen ihm Karl-Theodor zu Guttenberg, Klaus Peter Söllner – Landrat, Dieter Schaar – Bürgermeister Neudrossenfeld, Dr. Hans Kolb – IHK Bayreuth (von links)

Eintrag im Goldenen Buch der Gemeinde Neudrossenfeld

Eintrag im Goldenen Buch der Gemeinde Neudrossenfeld




Archivbilder 2005






Er hat sein ganzes und unermüdliches politisches Wirken der Versöhnung, sowie der Einigung dieses Kontinentes ver­schrie­ben.

Als der am längsten amtierende Bundesaußenminister, des­sen Markenzeichen ein gelber Pullover war, mußte immer wieder mit gesundheitlichen Problemen kämpfen und trotz alledem schaffte er es die Geschicke dieses Kon­ti­nen­tes maßgeblich mitzubestimmen. Ent­span­nungspolitik und die Chancen des Ost-West-Brücken­baus hat er schon sehr zei­tig erkannt, was sich letzt­end­lich auch in der deutschen Wie­der­vereinigung wi­der­spie­gelte.

Bei den zahlreichen Begegnungen, die ich zunächst rein be­ruflich hatte, war es eine wunderbare Gelegenheit, einen Ein­blick in seine Gedanken über die zukünftigen eu­ro­päi­schen Ent­wicklungen und Zusammenhänge mit der sich ständig wandelnden Weltpolitik zu gewinnen. Im Laufe der Jahre wur­de sein ständiges „Lavieren“ zwischen Ost und West, oh­ne dabei die Verankerung der Bundesrepublik im west­li­chen Bünd­nis in Frage zu stellen, von selbsternannten po­li­ti­schen Kritikern und Experten bemängelt. Aber Genschers intensive und verantwortungsvolle diplomatische Tätigkeit hat aus der heutigen Sicht einen Grundstein für den Wegfall des so­ge­nannten „Eisernen Vorhangs“ in Europa gelegt.

In Erinnerung bleiben großartige und viel an zwischen­mensch­li­chen Beziehungen schaffende Begegnungen mit dem Weltdiplomaten und großartigen Menschen, Archi­tek­ten der Wende, Hans-Dietrich Genscher, und dem damaligen noch an der bayerisch-tschechoslowakischen Grenze, sei­nem Kollegen Außenminister Jiří Dienstbier. Auch in den tur­bu­len­ten Monaten 1989/1990 nahm Genscher als einer der ersten deutschen Politiker die Reformankündigungen des neuen starken Mannes in der Sowjetunion, Gor­bat­schow, ernst. Genscher verhandelte, schlichtete und sprach im Vier-Augen-Gespräch auch schon mal Klartext, ohne daß dies publik wurde.

Auch seine größte Stunde im September 1989 in Prag durfte ich miterleben. Seine Worte „Wir sind zu Ihnen gekommen, um Ihnen mitzuteilen, daß heute Ihre Ausreise ...“ gingen im Jubel der rund 4000 Deutschen aus der DDR, die in das Lob­ko­witz-Palais, in die bundesdeutsche Botschaft geflüchtet waren, unter. Kurz darauf machten sich die „Mauerspechte“ an die Berliner Mauer ran, um dieses politische Hindernis aus der Welt zu schaffen. Ein Jahr später wurde Deutsch­land auf friedlichem Weg vereint.

Dr. Hans-Dietrich Genscher ist zu einem Symbol der Hoff­nung geworden – nicht nur für die Menschen in beiden Tei­len Deutschlands, sondern auch für die Menschen in Ost­eu­ro­pa und darüber hinaus. Seinem Wirken ist auch zu ver­dan­ken, daß wir heute eine Europäische Union der 28 sind.

Die Krise in Europa veranlaßte Genscher immer wieder zu Wortmeldungen. Seine Sorgen häuften sich in den letzten Jahren seines „Unruhestandes“, in dem er sein Kernprojekt, die europäische Einigung, schweren Anfechtungen aus­ge­setzt gesehen hat.
Als überzeugte Europäer, der maßgeblich die europäische In­te­gration stets vorangetrieben hat, wurde Dr. Hans-Diet­rich Genscher von unserer gemeinnützigen För­der­ge­sell­schaft für Europäische Kommunikation (FEK) e. V. unter der Anwesenheit von Vertretern hoher Diplomatie, Wirt­schafts­ent­schei­dern und politischen Mandatsträgern mit dem Eh­ren­preis – Europamedaille Kaiser Karl IV. – während des wirt­schaftspolitischen Kolloquiums 2005 im Schloß Neu­dros­sen­feld ausgezeichnet. Seine Erwiderung der Aus­zeich­nung war, wie immer seine Gedanken, ein Bekenntnis zu Eu­ro­pa, der Weltmacht des Friedens.

Im Herbst 2014 war er nochmals an der Stelle, wo er seinen, wie er sagte, „glücklichsten Augenblick“ auf jenem Balkon in Prag erleben konnte, sprach er bei dieser Gelegenheit über den eigenen Nachruf: „Wenn der Akteur Genscher einmal die Augen schließt, wird so viel da sein. Da kann unendlich geschrieben werden.“ Auch damit lag er nicht falsch, denn in den letzten Stunden nach seinem Ableben mit 89 Jahren schickten sich Politiker und sämtliche Presseagenturen an, die Würdigungen auch via elektronische Medien der Nach­welt kund zu tun.



Für uns, die FEK e. V., das EUROjournal pro management und mich im besonderen, stand Dr. Hans-Dietrich Genscher als Mentor und Ratgeber zur Seite. Für ihn war die Be­wah­rung des Friedens stets sein politisches Anliegen. Bei uns ist und bleibt er in ewiger Erinnerung, denn jeder, der die Eu­ro­pa­Ge­meinde im oberfränkischen Neudrossenfeld, dem Aus­tra­gungs­ort der traditionellen FEK-wirt­schafts­po­li­ti­schen Kolloquien besucht, kann neben dem Schloßplatz, im „Skulpturgarten“ in den Jahren ausgezeichnete Träger der Europamedaille Kaiser Karl IV. sehen und ein „Dia­log­fen­ster“ aus echtem fränkischen Sandstein betrachten, ein Denk­mal des Bildhauers Albrecht Volk, das Dr. Hans-Diet­rich Genscher in Zwiesprache mit dem früheren un­ga­ri­schen Außenminister und Mi­ni­ster­prä­si­den­ten Gyula Horn zeigt.
Das ist unser Zeichen der Verbundenheit für die Ewigkeit.



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